Das Geschirr Millefleurs wird aufgrund seines Materials und seiner Herstellung als Fayence bezeichnet.
Fayence ist eine von der italienischen Stadt Faenza abgeleitete französische Bezeichnung für Tonware, die mit einer deckenden weißen oder farbigen Glasur überzogen ist.
Die Steingutmasse besteht im Wesentlichen aus 1/3 Ton, 1/3 Kaolin und 1/3 Sand, die in Wasser gelöst, gefiltert, gemischt und dann gepresst werden. Fayence-ähnliche Techniken gibt es schon seit dem 4. Jahrhundert vor Christus.
Zunächst werden die Formen, d.h. Teller, Tassen, Dosen etc. aus der Steingutmasse gefertigt. Hohlkörper werden im Gießverfahren mit einer verflüssigten Masse (Schlicker) hergestellt.
Bei Flachkörpern, wie Teller, wird eine bestimmte Menge festerer Steingutmasse unter Drehen in eine Schablone gedrückt. Anschließend werden die Stücke getrocknet und in der Nachbearbeitungsphase mit Zubehör, wie z.B. Henkeln versehen. Nach dem ersten Brennen bei 1160°C werden die Formen zum so genannten Scherben (frz. Biscuit).
Während dieser erste Teil der Fertigung mechanisiert ist, erfolgt die Dekoration in Handarbeit:
Der Scherben wird zunächst weiß glasiert und ein zweites Mal gebrannt. Jetzt erfolgt das Auftragen der „tausend Blüten“ (Millefleurs) im Schiebedruckverfahren.
Das Schiebedruckverfahren wird seit dem 19. Jahrhundert praktiziert. Bei dieser recht aufwendigen Technik wird das Dekorbild im Siebdruckverfahren auf ein Spezialpapier gedruckt und mit einer feinen Lackschicht überzogen. Das Bild wird ausgeschnitten, kurz in Wasser gelegt und dann vom Papier auf das Geschirr appliziert bzw. „geschoben“ und festgedrückt („angerakelt“).
Fertig dekoriert, werden die Stücke mit einer transparenten Glasur überzogen und bei 1060 °C erneut gebrannt. Dabei wird die Glasur flüssig, die Schiebebilder verschmelzen mit der Glasur und bilden so die fertige Oberfläche. Diese Glasur macht das Geschirr spülmaschinenfest.
Nach dem letzten Brand werden die Stücke herausgenommen und einzeln auf Qualität überprüft.